News
In unserer Serie "Denk-Mal" stellen wir diesmal ein unwiederbringlich zerstörtes Kulturdenkmal vor:
Im Jahr 1838 wurden in Kobling (Haibach ob der Donau) die Reste eines römischen Wachturms freigelegt. Die zahllosen Baumaßnahmen in der Nachkriegszeit machten auch vor diesem Kulturdenkmal nicht halt. 1962 wurden die Überreste des burgus bei Baggerarbeiten weggeschoben. Leider ist es auch heute bei einigen Bauunternehmen Usus, dass archäologische Befunde/Funde nicht gemeldet, sondern einfach beseitigt werden. Wichtige Zeugen vergangener Kulturen und Wissen um unsere eigene Geschichte gehen somit unwiederbringlich verloren.
Weiterlesen: ARCHIV: Der römische Wachturm von Kobling „Roßgraben“
Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich (GLD) zum geplanten Abriss des Hitler-Geburtshauses in Braunau
Der geplante Abriss des Geburtshauses von Adolf Hitler macht einmal mehr den problematischen Umgang des offiziellen Österreich mit seiner Vergangenheit deutlich: Anstatt historische Verbrechen umfassend aufzuarbeiten, soll mit der Abrissbirne „vertuscht“ werden. Mit der Beugung des Denkmalschutzes und der Beseitigung dieses bauhistorischen Denkmals möchte man unangenehme Erinnerungen auslöschen. Dieses Prinzip, die baulichen Zeugnisse unbequemer Vorfahren einfach zu beseitigen, wurde in der Vergangenheit immer wieder bemüht – nicht zuletzt von Hitler selbst. Die Zerstörung des kulturellen Erbes einer ganzen Region durch den so genannten „Islamischen Staat“ muss hier als jüngstes und besonders drastisches Beispiel eines solchen Umgangs mit der Vergangenheit genannt werden.
Ungeklärt bleibt außerdem, was auf den Abriss folgen soll: Ein Neubau an diesem Ort würde das historische Straßenensemble zunichte machen. Den Standort als Park zu gestalten, würde erst recht fragwürdige Pilger anlocken. „Ewiggestrige werden auch in einer Baulücke ihr Andenken pflegen können“, so Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident der GLD. Eine Nutzung des Hauses als mahnendes Museum oder als soziale Einrichtung würde wohl jene Unbelehrbare, die Hitlers Andenken immer noch pflegen, am meisten schmerzen.
Das Beispiel der Grabungen in Neubau/Traun
Jutta Leskovar, Oberösterreichisches Landesmuseum (erschienen im Mitteilungsblatt der GLD Heft 3/2016)
Auf der Fundstelle Neubau wurden bereits in den 1930er Jahren anlässlich intensiver Schotterabbauarbeiten für den Ausbau des Hörschinger Flughafens archäologische Funde gemacht. Einige Grubenbefunde und gut datierbares Fundmaterial stammten sichtlich aus einer großen spätlatènezeitlichen Siedlung. Umfangreiche Ausgrabungen waren den damaligen auch finanziellen Umständen entsprechend nicht möglich, was sich in den folgenden Jahrzehnten nicht maßgeblich veränderte. Erst 2005/06 bzw. 2008 fand die erste größere Ausgrabung, durchgeführt im Auftrag des Bundesdenkmalamts (Heinz Gruber), statt. Auf einem 700 Meter langen und wenige Meter breiten Streifen längs der zu erweiternden Bundesstraße wurden zahlreiche Siedlungsbefunde und massenweise Keramik- und Tierknochenfunde aufgedeckt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es sich bei Neubau um eine mindestens 15 Hektar große und vor allem planmäßig angelegte Siedlung handeln muss. Als sich im Frühjahr 2016 die Möglichkeit ergab, auf der anderen Straßenseite einen weiteren Teil dieser Siedlung zu analysieren, rechnete das Grabungsteam unter der Leitung des Oberösterreichischen Landesmuseums mit weiteren Siedlungsbefunden samt typischem Inhalt: viele Keramik- und Tierknochenfunde, einige wenige schlecht erhaltene Metallobjekte, zumeist aus Eisen.
Wichtiger Projektpartner bei dieser Grabung war als Grundbesitzer die Firma Hofinger GmbH. Ihr war die Grabung seitens des Bundesdenkmalamtes vorgeschrieben worden – ein übliches Vorgehen, wenn auf einer denkmalgeschützten Fläche eine Baumaßnahme, in diesem Falle der Bau einer Maschinenhalle, geplant ist. Es liegt auf der Hand, dass derlei kostenintensive Bauverzögerungen für keinen Bauherrn angenehm sind. Umso angenehmer war aus archäologischer Sicht die Überraschung, mit der Firma Hofinger nicht einen Partner an der Seite zu haben, der sich unwillig einer Pflicht unterzieht, sondern ganz im Gegenteil ehrliches Interesse am archäologischen Erbe und monatelanges Engagement zeigte.
Schon vor Beginn der Grabungen wurden Gespräche hinsichtlich des Fundverbleibs geführt. Die gesetzliche Lage ist eindeutig: Eine Hälfte steht dem Grundbesitzer zu, die andere Hälfte dem Finder. In diesem Fall war die Firma Hofinger als Auftraggeber der Grabung auch Finder im Sinne des Gesetzes, und somit zu 100% Eigentümer der Funde. Es wurde jedoch schon frühzeitig signalisiert, dass man das Fundmaterial gerne dem OÖ. Landesmuseum überlassen würde.
Im besten Einvernehmen startete die von der Firma Archeonova (Wolfgang Klimesch) durchgeführte Grabung. Und bereits Tag 1 brachte die große Überraschung: 44 keltische Goldmünzen wurden ausgegraben, ein Goldschatzfund, der mit Fug und Recht als Sensation zu bewerten ist. Es wäre verständlich gewesen, wenn die Firma Hofinger angesichts dieses – auch bezüglich seines materiellen Wertes nicht ganz unwesentlichen – Fundes von der vor der Grabung getroffenen Vereinbarung, das Fundmaterial dem Museum überlassen zu wollen, zurückgetreten wäre. Doch das Gegenteil war der Fall: Bereits am Tag der Auffindung wurde erneut verdeutlicht, wie wenig man am Eigentum oder an einer finanziellen Abgeltung interessiert war. Vor allem sollte das Fundmaterial einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Entsprechend fand am Ende der Ausgrabung eine Pressekonferenz statt, anlässlich der die Münzen im Schlossmuseum ausgestellt wurden. Mittlerweile wurde das gesamte Fundmaterial im Rahmen einer Schenkung dem Landesmuseum überlassen. Der Firma Hofinger und besonders ihrem Geschäftsführer, Ing. Franz Hofinger, sei für die konstruktive Zusammenarbeit im Sinne der Erhaltung eines wichtigen Teils des oberösterreichischen Kulturerbes gedankt.
In den letzten beiden Jahren wurden weitere wichtige Fundensembles, die im Rahmen von Wohnbauprojekten bzw. Firmenerweiterungen ausgegraben wurden, öffentlichen Sammlungen übertragen. Wir bedanken uns bei folgenden Firmen herzlich für Ihren verantwortungsbewussten und vorbildlichen Umgang mit dem archäologischen Erbe Oberösterreichs:
Enns:
- Büsscher & Hoffmann GmbH an das Museum Lauriacum (zugesagt)
- Eisenbeiss GmbH an das Museum Lauriacum
- Lidl Österreich GmbH an das OÖ. Landesmuseum (OÖLM)
- Wohnungs- und SiedlungsgesmbH NEUE HEIMAT Oberösterreich an das OÖLM
- WSG Gemeinnützige Wohn- und Siedlergemeinschaft RegGenmbH an das OÖLM
Hallstatt:
- Salzwelten GmbH an das OÖLM
Hörsching:
- HAGO Bauinvest Gmbh an das OÖLM
Pasching:
- LEWOG Wohnungseigentums GmbH an das OÖLM
Asten:
- Asphalt & Beton GmbH an das OÖLM
Jutta Leskovar, Stefan Traxler (im Namen des OÖ. Landesmuseums), Christian Hemmers (Gesellschaft für Archäologie in Oberösterreich)
Soeben ist Heft 3/2016 unseres Mitteilungsblattes erschienen. Neben zahlreichen aktuellen Berichten zur Denkmalpflege in Oberösterreich enthält dieses Sonderheft auch wieder unsere Firmenliste. Damit möchten wir all jene Mitglieder unterstützen, die sich um die Erhaltung eines Baudenkmals bemühen. Im Heft und auch online auf dieser Homepage finden Sie eine Liste von Betrieben, die unseren hohen Ansprüchen im Umgang mit historischen Bauwerken entsprechen.
Die Mitglieder der GLD haben das Heft bereits per Post erhalten, eine digitale Version können Sie hier ansehen/downloaden. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!
Weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum Neustart in Micheldorf
In der Jahreshauptversammlung des "Vereins zur Pflege und Erhaltung der Kulturgüter der Sensenschmiede", der für den Betrieb des Sensenschmiedemuseums Micheldorf verantwortlich ist, wurde Martin Osen aus Micheldorf - ein Nachfahre Caspar Zeitlingers - einstimmig zum Obmann gewählt. Mit ihm hat sich ein neues Team der Wahl gestellt, das ihn tatkräftig bei seiner Arbeit unterstützen wird.
Einen Beitrag in der Bezirksrundschau (mit Foto) finden Sie hier.